Kirchenfenster

 

Das erste Fenster rechts nach Betreten der Kirche
Den größten Raum nimmt der Baum in der Mitte und im oberen Bildfeld ein. Kräftige Wurzeln krallen sich im Boden fest, bilden ein Gegengewicht zum krummen Stamm und halten ihn. Wie ein Rückgrat führt eine dunklere Linie durch den Stamm nach oben. Soll damit angedeutet werden: Der Baum steht voll im Saft und trägt mühelos die dicht beblätterte Krone mit ihren vielen Früchten?
Unten quer: ein kleiner Baum, auch mit einem kräftigen Stamm, der eine kräftige Krone tragen kann, allerdings mit nur noch wenigen oder vielleicht gar keinen Blättern mehr. Abgehauen wurde er. Die Axt liegt noch daneben. Unter ihr ist der rote Streifen nicht durchtrennt, aber schmal. Ist im Hintergrund noch eine Verbindung möglich?
Das Fenster setzt ein Wort von Johannes dem Täufer ins Bild: 
„Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum: Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“ (Mt 3,10) 
Das Fenster verändert diese Drohung, indem es über den abgehauenen Baum den fruchttragenden setzt.
Wie viele Vögel entdecken Sie? Oft ist es schwer zu entscheiden, ob eine bestimmte Form auf einen Vogel hinweist. Es ist so wie „in Echt“: Man sieht nicht immer, wie viele Vögel in einem Baum Schutz finden und leben. Die Vögel weiter unten orientieren sich zu dem fruchttragenden, lebendigen Baum. Er ist ein Zufluchtsort, an dem sie gerne ihr Nest bauen. Im Gleichnis vom Senfkorn können die „Vögel unter dem Himmel“ im Schatten der großgewachsenen Staude wohnen. Genauso werden viele Menschen im Reich Gottes einen guten Platz finden.
Und Jesus sprach: Womit wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welches Gleichnis wollen wir es abbilden? Es ist wie mit einem Senfkorn: Wenn das gesät wird aufs Land, so ist's das kleinste unter allen Samenkörnern auf Erden; und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird größer als alle Kräuter und treibt große Zweige, sodass die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können. 
Hinter den Bäumen liegen dunkelrote Flächen, die sich zu einem länglichen Rechteck ergänzen lassen, freilich oft unterbrochen. (Ähnliche rote Flächen sind bei den anderen drei Fenstern im Kirchenschiff hinterlegt.) Einerseits verleiht das Rot den Fenstern ein lebendiges Farbspiel. Könnte das Rot auch darauf hinweisen, dass die Bäume aus einer ihnen geschenkten Kraft heraus leben, die mal stärker und dann wieder weniger erfahren wird und auch an einigen Stellen unterbrochen ist?
Greift Feuerstein mit seiner Gestaltung nicht nur biblische Motive auf, sondern auch den Mythos der deutschen Eiche auf? Denn zwei Blätter am Stamm könnten von ihrer Form her auf eine Eiche hindeuten. Dieser Mythos wurde oft verwendet, um Stärke zu beschwören! Stärke auch im Kampf, insbesondere gegen die lange als Erzfeinde geltenden Franzosen! Falls Feuerstein auf diesen Mythos anspielen sollte, verändert er ihn grundlegend. Er zeigt: Auch eine Eiche kann abgehauen werden. Und er zeigt: Eine Eiche im Reich Gottes muss nicht gerade gewachsen sein, um schön zu sein, ja sogar eine gewisse Eleganz zu haben, Früchte zu tragen und Vögeln Raum zu bieten. Es kommt nicht auf heldenhafte Stärke an, sondern ob jemand Frucht bringt und für andere da ist, sonst wird er abgehauen. 
Der Anfang der 14. Strophe von „Geh aus mein Herz und suche Freud“ passt gut zu diesem Fenster: 
Mach in mir deinem Geiste Raum,dass ich dir werd ein guter Baum,und lass mich Wurzel treiben.
Was meinen Sie: Ist dieses Fenster eine gute Begrüßung für Kirchenbesucher*innen? Wir sind gespannt auf Ihre Gedanken! Schicken Sie uns doch eine Mail! pfarramt@kirche-sand.de 
 

Das erste Fenster links nach Betreten der Kirche
Bereits auf dem Weg hin zur Kanzel und „im Gespräch“ mit dem Fenster gegenüber fragt dieses Fenster danach, was im Leben bleibt und Frucht trägt. Es benützt dafür ein Gleichnis bzw. Bild: Getreide wächst und bringt Körner hervor. 
Doch zunächst sieht man überhaupt keine Frucht. Von erfolglosen, also „fruchtlosem“ Bemühen erzählt Jesus in einem Gleichnis, auf das sich dieses Fenster bezieht. 
3 Hört zu! Siehe, es ging ein Sämann aus zu säen. 
4 Und es begab sich, indem er säte, fiel etliches an den Weg; 
da kamen die Vögel und fraßen's auf. 
5 Anderes fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und ging bald auf, weil es keine tiefe Erde hatte. 6 Da nun die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. 
7 Und anderes fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen empor und erstickten's, und es brachte keine Frucht. 
8 Und all das Übrige fiel auf das gute Land, ging auf und wuchs und brachte Frucht, und einiges trug dreißigfach und einiges sechzigfach und einiges hundertfach. 
(Markusevangelium, Kapitel 4)
Die vier verschiedenen Untergründe, auf die die Samen fallen, bilden sich in etwa in den vier waagrechten Fensterfeldern ab. Allerdings sind der Weg mit den fressenden Vögeln, der felsige Boden und die alles erstickenden Dornen nicht leicht zu erkennen. Am eindeutigsten sieht man die Vögel. Sie haben hier eine andere Bedeutung als im gegenüberliegenden Fenster. Dort erinnern sie daran, dass viele Geschöpfe Gottes in einem Baum Lebensraum und Schutz finden können. Hier in diesem Fenster machen sie die Hoffnung auf Frucht zunichte. 
Das Fenstermotiv entwickelt sich aus zwei kräftigen, waagrechten, roten Streifen am unteren Bildrand. Doch trotz dieser guten Basis erzählen die ersten drei Fensterfelder vom Scheitern, auch wenn ab und an das Rot im Hintergrund aufleuchtet. Erst ganz oben, überraschend und im Kontrast zu dem Vorherigen zeigt sich in den übergroßen Ähren die überraschende Fülle.
Ist die Fülle mit dem Scheitern verbunden? Vielleicht liegt unser Augenmerk manchmal allein auf dem Nicht-Gelingen und wir achten gar nicht darauf, dass viele Samenkörner auf „Gutes Land“ gefallen sind. 
Für wen ist die Botschaft gedacht? Für die Predigthörer*innen oder die Predigerin und den Prediger? Wahrscheinlich für beide!
Übrigens: Zu dem oben zitierten Gleichnis gibt es in unserer Region ein weiteres Kirchenfenster, allerdings entworfen von einem anderen Künstler, von Horst Leyendecker aus Karlsruhe, nämlich in der bemerkenswerten, tagsüber stets offenen evangelischen Kirche in Oppenau. Es ist reizvoll, beide Fenster in ihrer Ähnlichkeit und Unterschiedlichkeit auf sich wirken zu lassen: https://www.evobre.de/html/content/unsere_beiden_kirchen.html 
Wir sind gespannt auf Ihre Ideen! Denn man kann in den Fenstern noch so viel entdecken oder Ideen zu Ihnen entwickeln. Schicken Sie uns doch eine Mail!
 

Lassen Sie uns dieses Fenster von oben her entdecken! Hinterlegt von dunklem Rot, zwischen einem vielzackigen Stern und einem angedeuteten Planetensystem und neben einer Sonne schwebt Gottes Geist in Form einer Taube über den Wassern. So steht es am Anfang der Bibel in 1. Mose 1,2. Die Taube ist hervorgehoben. Ein Kreis mit hellerem Rot umgibt sie. Wir kennen das Rot schon von anderen Fenstern. Es ist oft Ausgangspunkt und Basis für Gottes Tun. Auffällig ist hier, dass über den Rottönen – wie in allen Fenstern im Kirchenschiff - noch hellere Formen mit Blau und Gelb zu entdecken sind. Soll damit vielleicht angedeutet werden, dass Gott noch mal eine ganz eigene Welt hat, unterschieden davon, wie er sich in seiner Schöpfung zeigt? Auf diese Weise könnte daran erinnert werden: Bei aller Nähe zwischen Gott und Mensch ist Gott zugleich der ganz Andere. Er ist so anders, dass wir ihn uns kaum vorstellen können. 
Aber der Geist in Form der Taube schwebt nicht über den Wassern so wie es in der Bibel steht. Die Taube stürzt vielmehr herab. Dazu passt, dass die roten Stränge im Hintergrund nach unten laufen, um sich in seiner Schöpfung, zu entfalten, in seine Werke einzugehen und sie zu beleben. Auch die Wasser werden in zwei Strängen schöpferisch. Diese Stränge fließen heraus aus den großen Wassern unterhalb der Taube. Auch wenn das Fenster durch blassblaue, leicht gewellte, waagrechten Linien gegliedert und gehalten ist, sind die nach unten laufenden Stränge bestimmend. Nach unten hin werden werden deren Formen kleingliedriger und differenzierter. Links im zweiten Feld von unten mag man an DNA-Strukturen erinnert werden. Und im Fensterfeld untendrunter scheint die Struktur „Beine zu bekommen“ oder Ausläufer zu haben, die jeweils direkt zu einem Baum hinführen. Ist ganz unten links ein Mensch zu sehen? Vielleicht der eine „Erdling“, der Mensch „Adam“ im Garten Eden vor den beiden Bäumen, dem „Baum des Lebens“ und dem „Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen“?
Rechts unten sehen wir Mann und , vielleicht einander zugewandt und entdeckend. Oder gehen sie auf Abstand? Möglicherweise deutet Feuerstein beides an, so wie es in jeder Partnerschaft Nähe und Abstand, Vertrauen und Entfremdung gibt. Schlängelt sich am Baum hinter ihnen gerade eine Schlange nach oben?
Lässt man die Augen nochmal über das ganze Fenster wandern, fällt auf, wie klein die Menschen sind. Sie haben ihren wichtigen Platz in der Schöpfung und sind zugleich ein Geschöpf neben vielen anderen. 
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Auch dieses Fenster lässt sich gut von oben entdecken. Flammen lassen an Pfingsten denken. Feuerzungen zerteilten sich und ließen sich auf allen Jünger*innen nieder. Aber es sind keine Menschen zu sehen, die von dem feurigen Heiligen Geist erfüllt sein könnten. Und es sind auch mehr Flammen als für die zwölf Jünger, die an Pfingsten oft abgebildet werden, auch wenn nach der Bibel mehr Anhänger Jesu anwesend waren. 
Die Flammen scheinen sich vielmehr auf einem Baum niedergelassen zu haben, so dass man an den Baum im Nachbarfenster rechts denkt. Aber ein Baum ist es dann doch nicht. Es fehlt ein Stamm. Es ist ein Busch. Die untendrunter dargestellte Geschichte legt nahe, dass es der Dornbusch ist, der in Flammen steht und doch nicht verbrennt. Wie Pfingsten eine Geschichte bei der Gott mit seinem Feuer Menschen beruft und erfüllt, insofern hat der Künstler vielleicht gewollt, dass wir auch an Pfingsten denken. Mose entdeckt den Dornbusch, als er Schafe hütet. Er geht zu ihm hin. Sein Wunderfitz ist gefährlich. Nicht nur weil er sich damit Gott nähert, so dass er seine Schuhe ausziehen muss und sein Gesicht verhüllt. Er bekommt auch einen Auftrag, den er partout nicht will. Der Gott, der mit seinem Namen nicht festzulegen ist, weil er heißt „Ich werde sein der ich sein werde“ (JHWH), legt Mose darauf fest, dass er sein Volk in die Freiheit führen soll. Er soll zum Pharao gehen und ihm die Erlaubnis abringen, dass sie, die Fronarbeiter, wegziehen können. Der lange Weg und das viele Leid, das geschieht, bis Mose und das Volk nach dem Auszug aus Ägypten zum gleichen Berg, dem Horeb bzw. Sinai, kommen, werden im Fenster nicht dargestellt. (Zwei der Geschichten finden Sie auf dem Deckel des Taufsteins, den sie nur vor und nach Gottesdiensten bestaunen können, siehe auch dessen Beschreibung mit Bildern.) An diesem Berg schließt Gott mit seinem von ihm befreiten Volk den Sinai-Bund und offenbart Mose seine Thora, seine guten Gebote. Die zentralen 10 Gebote hat Gott selbst auf dicke Steintafeln geschrieben. Mose hält die erste Tafel mit seiner rechten Hand. Man hat das Gefühl, dass sie ihn fast erdrückt. Wird sie gerade von Gottes Hand übergeben? Oder hilft Gott die schwere Tafel zu halten? Auf alle Fälle erzählt diese Tafel im ersten Gebot davon, was dieser Gott, von dem man sich kein Bildnis machen soll, getan hat, was ihn also ausmacht: „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt habe.“ Schaut Mose in die Richtung, woher die Hand kommen könnte? Er sieht zornig, fast wütend aus. Auf alle Fälle ist er nicht besonders begeistert. 
Hört Mose, dass andere begeistert sind? Hört er, wie das Volk unten am Berg neben seinem Zeltlager vor einem Stierbild feiert. Aaron hat es für sie aus ihrem Schmuck angefertigt. Sie meinen: Dies sei der Gott, der sie in die Freiheit geführt hat! Sie haben es nicht ausgehalten, dass Mose schon 40 Tage lang auf dem Berg ist und dass sie kein Bild von diesem Gott haben, der sich auch partout nicht auf ein Bild festlegen lassen will, sondern unsichtbar bleiben will. Eine hellere Farbkontur steigt von dieser Feier bis zu den Gebotstafeln hoch. Vielleicht meinen sie, dass sie mit ihrer Feier den Himmel erreichen? Doch in Wirklichkeit verhindern sie, dass der Himmel zu ihnen segensreich herabkommt. Ja, es sieht fast aus, als hätten sie sich mit ihrer Feier abgeschottet und abgeschirmt gegen Gott. 
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Klar aufgeteilt in vier Bilder wird die Jona-Geschichte erzählt. Das erste und dritte Bild von unten ist jeweils in einen Rhombus eingezeichnet. Das Bild dazwischen in Ellipsenform ist das größte, so dass schon die Größenverhältnisse zeigen, welcher Szene eine besondere Bedeutung zukommt. 
Oben im Fensterbogen weist eine weniger konkrete Darstellung auf eine andere Wirklichkeit hin, die Wirklichkeit Gottes, die das erzählte Geschehen auslöst: 
„Es geschah das Wort des HERRN zu Jona, dem Sohn Amittais: Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen.“ (Jona 1, 2)
Sturm und Fisch
Beginnen wir unten: Wie eine Form eines Fernsehschirms ist über den Rhombus gelegt, um zwei gegenüber angeordnete Szenen hervorzuheben. Interessanterweise beginnt die Erzählung rechts. Jona hatte in der hinten zu sehenden Hafenstadt Jafo ein Schiff bestiegen. Dieses gerät in einen Sturm und droht unterzugehen. Die von hinten anrollende Riesenwelle könnte das Schifflein mühelos unter sich begraben. Jona offenbart sich der Crew. Er gibt zu, dass er vor seinem Auftrag und damit vor Gott flieht. Der Sturm sei wegen ihm von Gott aufs Meer geworfen worden. Man solle ihn dem Meer überantworten. Fast wie bei einer Beerdigung lässt einer der Matrosen den nackten Jona ins Meer gleiten. Ein Riesenfisch verschlingt ihn (was der Künstler nicht darstellt) und besiegelt damit sein Ende. Seine Flucht vor Gott ist im geglückt. – Scheinbar! Denn der Fisch ist sein Tod. Aber dieser Fisch ist auch seine unverhoffte und vielleicht auch nicht gewollte Rettung. In seinem Inneren schafft Gott Raum und Zeit zur Umkehr. Der Weg kann noch mal zurück auf Start gehen – im Bild gegen unsere normale Leserichtung nach links. Der Fisch gibt den gewandelten Jona nach drei Tagen frei. Nach der Bibel spuckt er Jona wieder aus, wirft ihn an Land. Im Bild steigt Jona hoch aufragend und aufrecht mit einem großen Schritt aus dem Fisch. 
Die rechte Hand hält er vor die Stirn. Muss er die Augen gegen das helle und nicht mehr gewohnte Licht schützen? Oder schlägt er sich an die Stirn, weil er so dumm war, vor dem Auftrag Gottes zu fliehen, mit dem Gott viele Menschen und Tiere retten will? Die andere Hand ist hoch erhoben. Was möchte er mit ihr sagen? Dass es auf IHN, auf Gott ankommt?
Hinter seinem Kopf ein ovales Braun-Gelb. Die aufgehende Sonne hinter ihm? Oder wie ein Heilgenschein, weil er jetzt im Sinne Gottes handelt? Ihn umgibt Rot, als ob für ihn der rote Teppich ausgerollt ist. Denn auf ihn, den Jona kommt es jetzt an. 
Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört!
Im großen Bildfeld darüber behält er den weit ausgreifenden Schritt bei. Mit klarer Geste streckt er seinen rechten Arm, seine rechte Hand und einen überlangen Zeigefinger nach oben. Nur fünf Worte braucht im Hebräischen seine Botschaft. Sie ist das kürzeste in der langen Geschichte und ist eindeutig: 
„Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört!“ (3,4, Einheitsübersetzung) 
Seine Linke verweist vielleicht darauf, woher die Botschaft kommt. Rechter Arm, Hand und sein überlanger, ausgestreckter Zeigefinger bilden eine gerade, klare Linie nach vorne. Diese richtet er aus an die in roten Blöcken eingeschlossenen Menschengruppen. Gottes Botschaft durchdringt ihre klar begrenzte Welt und überwindet große Distanzen. Ihre ovalförmig von einer Mauer umgebene Stadt bietet ihnen auf einmal keinen Schutz mehr, sondern alle in der Stadt sind bedroht. Im linken Feld erkennt man vielleicht den König. Alle schauen mit aufgerissenen Augen erschreckt zum Propheten, hilflos heben einige ihre Hände. Erschrecken und Ratlosigkeit kann der Anfang einer Umkehr sein. 
„Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an. Als die Nachricht davon den König von Ninive erreichte, stand er von seinem Thron auf, legte seinen Königsmantel ab, hüllte sich in ein Bußgewand und setzte sich in die Asche. Er ließ in Ninive ausrufen: Befehl des Königs und seiner Großen: Alle Menschen und Tiere, Rinder, Schafe und Ziegen, sollen nichts essen, nicht weiden und kein Wasser trinken. Sie sollen sich in Bußgewänder hüllen, Menschen und Tiere. Sie sollen mit aller Kraft zu Gott rufen und jeder soll umkehren von seinem bösen Weg und von der Gewalt, die an seinen Händen klebt. Wer weiß, vielleicht kehrt er um und es reut Gott und er lässt ab von seinem glühenden Zorn, sodass wir nicht zugrunde gehen.“ (3, 5-8, Einheitsübersetzung) 
Es fällt auf: Die Tiere, die der Künstler nicht darstellt, gehören dazu. Sie haben keine Schuld auf sich geladen. Aber bei einer Zerstörung, wären sie genauso mitbetroffen! So wie viele Tiere heute leiden wegen uns Menschen. 
Der Einzige, der sich hartnäckig weigert, umzudenken
Zweimal fand Umkehr statt: Die Umkehr der Menschen in Ninive von ihren bösen Wegen (3,8). Und die Umkehr Gottes, weil Volk und König einsehen, was sie falsch gemacht haben. Alle besinnen sich. 
Das macht Jona besinnungslos zornig und wütend, weil Gott nicht erfüllt, was er angedroht hatte. Er klagt Gott an, dass er zu den Heiden in Ninive barmherzig ist. Er möchte sterben! Gott fragt ihn: 
„Meinst du, dass du mit Recht zürnst?“ (4,4)
Jona bleibt die Antwort schuldig. Da geht Gott mit Jona geduldig einen „Umweg“. Er lässt für ihn einen schattenspendenden Strauch wachsen, worüber er sich mit „großer Freude freut“. Wobei man links im Bild diese Freude (noch) nicht sieht. Am nächsten Tag schickt Gott einen Wurm und der Strauch verdorrt. Jona schmachtet unter der heißen Sonne, die wir am oberen Bildrand vermuten können. Jona möchte nur noch sterben. 
„Da sprach Gott zu Jona: Meinst du, dass du mit Recht zürnst um des Rizinus willen? Und er sprach: Mit Recht zürne ich bis an den Tod. Und der HERR sprach: Dich jammert der Rizinus, um den du dich nicht gemüht hast, hast ihn auch nicht aufgezogen, der in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb, und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?“ (4, 9-11)
Kann Jona dazulernen? Hilft ihm dabei die eigene Erfahrung, dass er auf Gottes Fürsorge angewiesen ist? Bei Jona geht es nur um Sonnenschutz, bei den Menschen und Tieren in Ninive geht es ums Leben. 
Beim Bild fällt auf: Zwischen den beiden Szenen sind die Häuser der Menschen in Ninive zusammengeschoben wie zu einer Kathedrale. Natürlich gab es viele hundert Jahre vor Christus noch keine Kirchen! Will der Künstler andeuten, dass selbst das heidnische Ninive Gott heilig ist und dass die Menschen dort Gott auch verehren können.
Wir kommen zurück zum oberen Abschluss des Fensters. Es zeigt eine Hand, die hineindeutet mitten in rote Farbtupfen, umgeben von blauen. Ob wir diese Hand im Leben sehen können? Ist sie für uns oft verborgen in und hinter den auf uns einstürzenden, oft verwirrenden Erlebnissen? 
Schauen sie noch mal das ganze Fenster an: Was Jona durchschüttelt, durcheinanderbringt und an den Rand seiner Möglichkeiten bringt ist mit diesem Rot und Blau dargestellt. 
Und eine letzte Überlegung: Erhält das Fenster durch seinen Ort im Chorraum und zur Nähe zum mittleren Chorfenster eine Deutung auf Christus hin?
Im Matthäus-Evangelium, Kapitel 12, 38-45 wird die Geschichte Jonas aus dem Alten Testament zu einem Hinweis auf Christi Tod und Auferweckung. 
Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht fordert ein Zeichen, und es wird ihm kein Zeichen gegeben werden außer dem Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein. Die Leute von Ninive werden auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. (Matthäus 12, 39-41)
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So vielfältig, für manche auch verwirrend das Fenster ist: Es hat einen klaren Aufbau. Und Farbströme fließen von unten nach oben und umgekehrt. Man könnte deuten, dass die paradiesischen Wasserströme von oben das Fenster durchfluten und durchfeuchten und dass von unten her das Rot, das auf Liebe, Blut und Heiligen Geist hindeuten kann, die einzelnen Szenen hinterlegt oder umrahmt und zum Zielpunkt der Geschichte Gottes mit den Menschen führt. 
Die Speisungen der Vielen
In dem Medaillon rechts unten erkennen wir alle sicher gleich die Speisung der 5000 mit dem viel zu Wenigen, das für die Vielen zur Verfügung steht: zwei Fische und fünf Brote. Diese Darstellung birgt Besonderheiten. In der Bibel steht: „Und er nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel, dankte und brach die Brote und gab sie den Jüngern, dass sie sie ihnen austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle.“ (Markusevangelium 6,41) Im Glasfenster von Valentin Feuerstein werden aber die Menschen gesegnet. Und wer sind die Menschen, die hinter Jesus aus einem kleinen Bildfeld hervor luken? Sind das die Viertausend der Speisung der Viertausend (Mk 8, 1-9) die auch noch genug zu essen bekommen? Oder sind das einige der über 800 Millionen Menschen, die heute hungern?
Wenn man genau hinschaut, sieht man hier wie generell bei dem Fenster: feine Strukturen insbesondere in den roten Farbfeldern – mal ein Blatt, mal ein Rad, oft wie Kritzeleien. Und dass die Farben nicht gleichmäßig aufgetragen sind, sondern eher wie „geschmiert“ aussehen. Hierin unterscheiden sich das Jona-Fenster und dieses Christus-Fenster von den anderen Fenstern im Langhaus. Das kann zum Eindruck führen, dass die beiden Fenster im Chor „unruhiger“ sind, aber sie sind auch „feingliedriger“. 
Die Hochzeit zu Kanaa
Christus, alle überragend und ähnlich platziert und dargestellt wie auf dem letzten Bild erkennen wir sofort. In sich ruhend, gibt er die Anweisung, die sechs Krüge unten vor ihm mit Wasser zu füllen. Zwei Krüge stehen weiter hinten, so dass man sie mehr ahnt als sieht. Der weiter vorne steht, könnte der sein, aus dem man auf Jesu Befehl herausgeschöpft und einen Schluck zum Probieren dem Speisemeister gebracht hat. Dieser sitzt links von Jesus und sagt zum Hochzeitspaar: 
„Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.“ (Johannesevangelium 2,10)
Hinter Jesus sehen wir kleiner und etwas verschattet wohl Jesu Mutter Maria. Sie wollte Jesus zum Handeln bewegen, weil der Wein ausgegangen war, woraufhin sie von ihrem Sohn hart angefahren wird:
„Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“
Jesus handelt dann doch. Die Fülle kommt direkt von ihm. Nicht nur das zum Leben Notwendige, die Grundnahrungsmittel Brot und Fisch bekommt jeder, sondern auch Wein, und zwar einen guten!
Das letzte Abendmahl
Umgeben, fast geborgen ist die Runde in dem Rot und Blau, den Farben, die das ganze Fenster durchziehen. Von einem mandelförmigen Medaillon – oft Hinweis auf ein Offenbarungsgeschehen – ist die Runde umfasst und in ihm geborgen. Aber die Runde selbst scheint eher zerrissen zu sein. Wir haben einen ganz ungewöhnlichen Blick auf den kleinen Tisch und die Runde drumherum, z.T. von vorne und gleichzeitig von oben. Jesus leitet vom oberen Ende aus das Mahl. Er hat seine Hand erhoben. Weist er auf den Kelch oder eher auf den bevorstehenden Verrat hin? Oder hat er sie zum Segnen erhoben? An seiner Brust – mit vor dem Hals übereinandergelegten Händen – liegt der Jünger, den Jesus liebhatte. Weiter nach unten sehen wir viele offene Münder und einige erhobene Hände. Stellen alle entsetzt die Frage: „Herr bin ich’s?“ ( „… der ich dich verraten werde?“) 
Ganz unten: Mit zugekniffenem Mund und stierenden Augen, seine Linke umklammert – so wie das Bildtradition und das überkommene Vorurteil will – einen Geldbeutel: Judas. Er ist in der Bildkomposition der Gegenpol zu Jesus. Kann Jesus diese Runde noch zusammenhalten? Welcher Kontrast zu der Feststimmung in Kana!
Kreuzigung
Rechts vom Abendmahl, wiederum in einem mandelförmigen Medaillon – wie gesagt: oft Hinweis auf ein Offenbarungsgeschehen –: Jesu Kreuzigung. In beiden Szenen zwei sehr gegensätzliche Gruppen: die zu Jesus halten und der oder die (auf der Kreuzigungsdarstellung von Jesus gesehen links, also auf der „schlechten Seite“), die ihn verraten oder verlästern. Man sieht ihre gebleckten Zähne. Sind es gerade die unterschiedlichen Reaktionen auf Jesus, die ihn an Kreuz bringen, nämlich die Angst der Gegner, dass er zu populär werden könnte? Worauf will Jesus – auch noch im Sterben – mit seinem rechten Zeigefinger unsere Aufmerksamkeit lenken? Auf das, was er von sich beim letzten Mal mit seinen Jüngern gesagt hat? Oder auf den weißen Fleck zwischen den beiden Medaillons? Könnte das ein zusammengeknäultes, gar verknotetes Leichentuch sein, wie es auf manchen mittelalterlichen Auferstehungsbildern im leeren Grab zu sehen ist? Steigt aus diesem Knäuel gar ein Lamm, mehr zu erahnen als zu sehen? So wie die Auferweckung mehr zu glauben und zu erahnen ist als zu sehen?
Auferweckung
Die drei Frauen am leeren Grab bekommen nur noch seine Beine zu sehen. Wenn sie überhaupt etwas sehen bei dem aus dem leeren Grab herausfließenden Tuch. Das leere Grab, das die Erwartungen der Frauen enttäuscht, wird zu einer Quelle. Was den Tod konservieren und einhüllen sollte, öffnet sich zu neuen Bewegungen. Der Engel weicht vor dem Auffahrenden zurück und verweist mit seinem Finger auf Ihn. Und über der Grabesgruppe können die Jünger*innen (und/oder weitere Menschen, vielleicht wir heute?) nur noch einen Blick auf ihn werfen. Alles zieht Ihn nach oben. Die Arme erhoben, so dass sie und sein Kopf den griechischen Buchstaben Omega bilden (in Kleinschreibweise: „ω“), den letzten Buchstaben des griechischen Alphabets. Denn Er ist Anfang und Ende, Alpha und Omega eben. Die Hände zu Schalen geformt. Mit nur einer Hand hält er die ganze Welt. Die andere Handschale ist noch frei und kann weiteres aufnehmen und tragen. In seiner Auffahrt hat er uns, die wir das Bild betrachten im Blick. Für uns will er da sein, für alle, wenn er zu seinem Vater auffährt. Die Enge der Grabeskammer weitet sich wie zu zwei Herzkammern. Vielleicht sind hier auch wieder – wie bei anderen Motiven dieses Fensters – zwei verschiedene Menschengruppen dargestellt, für die der aus dem Tod Herausgerissene gleichermaßen da ist. 
Die Spitze des Christusfensters.
Ein Baum in der Offenbarungsmandorla. Hier oben ist die mehrfach im Fenster auftauchende Mandelform zum ersten Mal von einem zarten weißen Streifen umgeben. In der Fensterspitze gibt es nur noch eine Mandelform. Gab es vorher Zweiheit und Spannung in verschiedener Hinsicht im Fenster, so ist jetzt alles in einem vereint: im himmlischen Jerusalem. In anderen Kirchenfenster, z.B. in den evangelischen Kirchen in Hornberg und Gutach, sehen wir an dieser Stelle das Lamm. In diesem Fenster vermute ich das Lamm viel tiefer im Geschehen, zwischen Leintuchknoten und Grab. 
Der „Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes“ (Offb 22,1) ist hier als vierfacher Strom dargestellt wie im Garten Eden (1 Mose 2, 10: „Und es geht aus von Eden ein Strom, den Garten zu bewässern, und teilt sich von da in vier Hauptarme.») Dieses blaue Wasser durchfeuchtet und befruchtet große Teile des Fensters. 
Und darüber der Baum des Lebens, von dem bereits im Garten Eden die Rede ist. Er kann auf der von Christus getragenen Erde wachsen. (Und man kann sich erinnern an den üppig wachsenden und an den abgehauenen Baum im ersten Fenster im Langhaus rechts.) Nach Offenbarung 22,2 stehen im himmlischen Jerusalem „auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker.“
Ein Wort noch zu den Farben des Fensters: Rot und Blau durchfließen dieses Fenster und pulsieren in ihm. Farben des Lebens, der Liebe und des Himmels, starke Farben – besonders wenn am Morgen von Osten her die Sonne hindurchscheint. Ein Fenster in dem sich Himmel und Erde berühren. Vielleicht sind manchen die Farben fast zu intensiv und das Fenster mit seinen vielen Details zu „schwergewichtig“, vielleicht auch mit seinen zitternden und vibrierenden Farben zu aufregend? Sehnt sich deswegen mancher nach dem früheren Chorfenster, das jetzt links von dem neuen Chorfenster aufgehangen ist? Machen die kleinen „Kritzeleien“ in den einzelnen kleinen Farbfeldern, die man nur bei hoher Bildauflösung sieht, das Fenster unruhig? Vielleicht wird dieses Fenster erst richtig schön, wenn man Bilder von ihm in einer hohen Auflösung anschaut. Sonst hat man schnell den Eindruck: „Ich kann nicht richtig sehen!“ Vielleicht ist das im Leben manchmal auch so: Man findet sich in ihm erst zurecht, wenn man auch die Details sieht?
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Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“
Seit 2019 ist das Fenster wieder sichtbar. Es ist hinterleuchtet und zeigt den auferstandenen Christus.
Welch eine Aussage Gottes. Sitzt man diesem Fensterbild länger gegenüber und betrachtet die ausgestreckten, empfangenden Arme Jesu, dann spürt man regelrecht, wie willkommen man bei Gott ist. Nichts stört dieses Willkommen:
kein Abstand, kein Hindernis, keine vorherige Abmachung „Wenn du das oder jenes tust, dann darfst du kommen.“ Kommen dürfen. Willkommen sein.
Christus in der Mandorla– in der Mandelform– schaut uns mit leicht geneigtem Kopf an. Er ist von Flammen umgeben. Diese betonen und
unterstreichen seine Macht und Herrlichkeit. Eingehüllt in ein rotes und blaues/grünes Gewand und in weißem Untergewand steht er da. Er schwebt auf einer grün/grauen Wolke.
Das Bild wird von Ranken eingehüllt. Alle sind unterschiedlich und zeigen ein einzigartiges Farbenspiel aus grau und schwarzen Blattrispen. Diese Unterschiedlichkeit wurde geschaffen, damit das Auge nicht so schnell ermüdet und immer Neues und vermeintlich Altbekanntes mit den Ranken - sehen kann. Den Nazarenern war es wichtig, alle Gläser unterschiedlich zu bemalen. Damit das Auge immer wieder etwas Neues entdeckt.
Die Nazarenerkunst wird oft als naive Kunst bezeichnet. Es handelt sich um eine romantisch-religiöse Kunstrichtung, die deutschsprachige Künstler zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Wien und Rom begründeten. Künstler, die dieser Schule angehören, beten um ihre Motive und setzen diese dann um. So atmet jede Glaskachel ein Gebet (mindestens ein Gebet) und füllt das Fensterbild und den Raum auf einzigartige Weise an, ohne aufdringlich zu wirken. Obwohl
jede Glaskachel ausgemalt ist und genug zu sehen ist, strebt alles auf das Zentrum, die Mandorla und Christus zu, der seine Hände offen zeigt und weit ausgestreckt hat. Er berührt uns mit seinen Händen und schaut uns mit seinen Augen an.
Alle dürfen kommen, niemand muss zurückbleiben, niemand wird abgewiesen.
Alle, mit welcher Last auch immer sie kommen und da sind.
Christus lädt uns ein, ihm zu bringen, was uns belastet und müde macht:
* den Stress, der unseren Alltag prägt, und die Verantwortung, die wir
zu tragen haben,
* die Sorge um Menschen, die wir lieben und die uns anvertraut sind,
* das Leiden an einer Krankheit, mit der wir und andere leben müssen,
* die Trauer um einen geliebten Menschen, der uns genommen wurde,
* die Schuld, an der wir schwer tragen und die wir vor ihm eingestehen
können. Diese hier abzulegen schafft der einladende Christus.
* die Wunden, die uns das Leben im Lauf der Zeit beigebracht hat,
* die Ansprüche, die wir an uns selbst stellen und uns damit unter
Druck setzen,
* die Routine, die sich manchmal in unser Glaubensleben eingeschlichen hat.
* die Angst vor dem, was uns die Zukunft bringt, Vorschlag. Die Sorgen
um die Zukunft, um den Frieden in der Welt, um die Natur, die Schöpfung, die Erde, das Klima
„Kommt und bringt diese Lasten zu mir!“ – lädt Jesus uns ein.
Licht, Wärme, Güte und Liebe, die Jesus ausstrahlt, die bekommen wir zu spüren, wenn wir vor diesem Jesus sitzen.
Klar sind dann diese Fragen und Sorgen nicht alle weg. Und es trägt einer mit, die Last der ganzen Welt trägt er mit. Er trägt auch uns. So diese einladenden Hände.
Und dann noch diese Zusage: „ICH WILL EUCH ERQUICKEN“. Sie gilt eben auch für alle. Auch für uns, für dich und mich.
„Ich will euch erquicken“, sagt Jesus. Erquicken ist ein Wort, das wir in
unserer Alltagssprache kaum mehr gebrauchen. Es bedeutet: stärken und wieder lebendig machen. Erquicken meint neue Kraft schöpfen.
Christus lässt uns aufatmen und befreit in unseren Alltag gehen. Vielleicht bleiben die Lasten und Mühen dieselben, und doch lassen sie sich anders tragen, mit neuer Hoffnung und neuer Kraft. Bei Jesus und durch Jesus kommt es zu einem „Aufschnaufen“, das uns wirklich weiterhilft.
Hedwig von Redern ( 1866 -1935), eine deutsche Erzählerin und Kirchenliederdichterin, hat diese Erfahrung in einem Gedicht so beschrieben:
„Du weißt zu erquicken, wie kein Mensch es kann.
Du mein Hirt und Heiland, staunend bet’ ich an
und glückselig ruh’ ich in Dir allezeit,
bis ich jubelnd schaue deine Herrlichkeit.“
Das Fensterbild, das Tiefe hat und uns tief und menschlich berührt, bei dem man selbst mittendrin ist und merkt, dass Generationen vor einem darüber meditiert, gebetet, nachgedacht haben, ist ein künstlerisches Kleinod von sehr hoher Qualität. Es wurde um 1893 gefertigt und ist in einem einzigartigen Zustand. Die Kirchengemeinde Sand kann stolz sein, ein solches Kleinod zu besitzen.
Eglin von Treek-Vaassen hat diese Arbeit als Umsetzung einer beliebten Statue des Bildhauers Berthel Thorwaldsen erkannt, die 1821 für die Kopenhagener Frauenkirche gefertigt wurde. Frau von Treek-Vaasen vermutet, dass das Bild in Offenburg gefertigt wurde, das für die damalige Zeit über ausgezeichnete Glaskünstler verfügte. Leider trägt es keine Signatur.
„Kommt her“, welch eine Aufforderung… welch ein Raum, der da geschaffen wird.
Das Fensterbild hat den 1. und den 2. Weltkrieg überlebt und hat laut
Zeitzeugen bei der Besatzung als Zielscheibe fungiert. So gab es einige Einschüsse und Treffer, die nach dem Krieg restauriert werden mussten. Das zeigen auch die Feuerflammen, die nachgearbeitet wurden und nicht immer einheitlich angeordnet sind.
Bei der Restaurierung 1975/76 wurde das Fenster ausgebaut und lagerte danach auf dem Dachboden der Kirche.
Auf Wunsch vieler Gemeindeglieder, denen das Fenster sehr viel bedeutete, wurde es 2018/2019 von Andreas und Mechthild Linnenschmidt aus Steinbach (Baden) aufwendig restauriert und würdevoll in die Kirche eingefügt.
Ein Blütenkranz rund um das gesamte Fensterbild schließt das Ganze ab. Mit roten Blumen und buschigen Blättern, die in jedem unterschiedlichen Rot- und Grünton aufleuchten. Auf himmelblauem Hintergrund kommt der Rahmen des Fensterbildes voll zur Geltung und strahlt uns an.
Auch ohne, dass die Worte aus Matthäus 11,28 bekannt sind, sind sie im Fensterbild zu lesen. Schauen Sie genau hin. Es lohnt sich. Teilen Sie Ihre Entdeckungen mit uns und teilen Sie uns mit, was Sie bewegt und was wir vielleicht noch nicht gesehen haben.